Reset oder Notbremse

Hallo zusammen, 

vorab erst einmal vielen Dank fürs Lesen, die Neugier und das Interesse. 

Dieser Text handelt davon wie es begann, warum es nicht funktionierte und wie es funktionieren wird. Und wofür wir uns bedanken und um Entschuldigung bitten möchten. 

Im April 2019 haben wir unser Gewerbe angemeldet. Sechs Wochen später ergab sich die Möglichkeit die ehemalige Gärtnerei Kallsperger zu pachten. Diese Chance haben wir ergriffen und sie im ersten Jahr nur quasi Teilzeit geführt, da wir auch noch Kunden aus dem Pflegebereich hier und in München hatten. 

Wir haben jetzt Ende Juni 22 und somit unser drittes volles Jahr in der Gärtnerei. Die Frühjahrssaison startete spät, war kurz und branchenweit eher schleppend. 

Was uns als erstes auffiel als wir hier anfingen war Eure unfassbare Freundlichkeit und die Freude darüber, dass die Gärtnerei weitergeführt wird bzw. auch ein Ersatz für Schlereth vorhanden war. 

Das Interesse und die Anfragen waren überwältigend im Wortsinne. Wir waren darauf organisatorisch Null eingestellt. Mit viel Improvisation und endlosen Stunden haben wir viel, aber leider nicht alles geschafft. 

Wir bedanken uns wirklich von Herzen für die freundliche Aufnahme, das Vertrauen und auch die Unterstützung in den wahrlich nicht einfachen Coronajahren. 

Umso bedauerlicher ist es, dass wir viel zu viele Anfragen nicht bearbeiten konnten. Nicht weil wir nicht wollten oder den potentiellen Kunden nicht mochten. Nichts dergleichen. Es war einfach Unfähigkeit und Unprofessionalität. 

Wir bitten um Entschuldigung bei allen, deren Erwartungen wir enttäuscht haben. Die nicht das versprochene Angebot erhalten haben. Deren Auftrag wir nicht ausführen konnten. 

Jetzt kann man Fehlern im ersten Jahr noch nachsehen, aber im zweiten sollten sie behoben sein, im dritten sollten bestenfalls neue da sein. Dem ist leider nicht so. 

Und ab jetzt spreche ich, Thomas, für mich persönlich. 

Meine Biographie entspricht sicherlich nicht der deutschen Norm. Aber in jedem Job, in jeder Branche, in der ich tätig war gab es eine Entwicklung zum Besseren. Ich habe jeden Arbeitsplatz, jede Firma in einem besseren Zustand verlassen als ich sie vorgefunden habe. 

Mein Herz schlägt grün. Ich liebe diesen Beruf. Und habe nach langer Zeit das Gefühl angekommen zu sein. Deswegen ist Aufgeben keine Option. Weitermachen wie bisher allerdings auch nicht. 

Dieser Job ist körperlich fordernd. Bäume pflanzen im strömenden Regen, Hecken schneiden bei 30° C und mehr, die 100 Tage der grünen Hölle im Frühjahr, wenn es nur für schlafen, essen, arbeiten reicht. ..Aber trotzdem liebe ich es und werde es weiter ausüben. 

Nur eben auf die Art, die schon immer meine Art war und zu der ich zurückkehren werde. 

Ich bin in die grüne Branche gekommen als eine Art Burnout-Therapie und dann wie so oft die Treppe hochgefallen. 

Nach drei Jahren in dieser Form der Selbständigkeit schwebt das Burnout-Gespenst wieder über mir. Ich bin weder willens noch körperlich oder seelisch in der Lage, in der bisherigen Form weiterzumachen. 

Fehler und Entwicklungen. vor denen ich gewarnt habe sind zu zahlreich eingetroffen. 

Nicht aus seinen Erfahrungen zu lernen ist Dummheit. Neben vielen Fehlern, die ich hab, ist mir dieser noch nicht nachgesagt worden. 

Von daher wird es ab 1.7.22 eine neue und diesmal konsequente Aufteilung in der Firma geben. Ob sich das durch Ausgründung, Aufteilung oder wie auch immer noch weiter manifestieren wird, steht noch nicht fest. Jedoch organisatorisch wird es so sein, dass Elisabeth für drinnen, also die Gärtnerei zuständig sein wird, und ich für draußen also Pflege- und Pflanzarbeiten sowie Bestellungen.

Das schöne in der grünen Branche ist ihre Planbarkeit. Das schlechte ist die Wetterabhängigkeit, die so manchen Plan über den Haufen wirft. Sei es bei Terminarbeiten im Garten oder wenn Jungpflanzen nicht weggehen, weil es noch zu kalt ist. Aber grundsätzlich alles beherrschbar. 

Bei nicht wenigen Kunden sind wir quasi als Reparatur-Team im Einsatz. Sei es was eine fehlerhafte Bepflanzung, falsches Substrat oder gartenbauliche Arbeiten angeht. Und wenn alles gerichtet ist hat man plötzlich einen Stammkunden. Weil er glücklich ist zu sehen, dass es auch richtig geht. 

Wann ich endlich zum Ende komme? Jetzt :-)

Ich werde vom 05/07-14/7/22 eine kombinierte Urlaubs-/Geschäftsreise machen. Zum einen, um die Batterien für den Herbst aufzuladen. 

Zum anderen um die anhaltenden logistischen Probleme bei der Bestellung von Pflanzen zu lösen. 

Auch danach werden wir nicht jede Gartenpflanze in jeder Größe da haben. Aber es muss Ziel sein sie innerhalb von zwei Wochen auf dem Hof zu einem Preis zu haben, den die großen Ketten nicht bieten. Und dabei auch in einer besseren Qualität. 

Mir ist bewusst, dass diesen Text so zu veröffentlichen ein Risiko birgt. Aber in einem eng begrenztem Markt wie dem Chiemgau, in dem jeder jeden kennt, ist es mir wichtig für Klarheit zu sorgen. 

Mir ist lieber Ihr wisst, dass wir nicht mit Absicht in den Sack gehauen haben, als zu glauben wir hätten keine Lust oder andere Gerüchte. 

In diesem Sinne: Nochmals Danke an alle Unterstützer. Die Bitte um Entschuldigung an alle Betroffenen.

Und wir freuen uns auf alle, die mit an Bord bleiben. 

Danke, genießt den Sommer und schaut öfters hier vorbei. Auf der Seite und im Laden.

Eure Gartenlotsen